Willkommen in Bulgarien

Wir hatten die Grenze ohne Probleme innert 10 Minuten überquert. Dani versuchte auf der bulgarischen Seite direkt nach dem Zoll eine e-Vignette zu kaufen. Die schnippische Dame am Schalter deutete auf die Self Service Automaten die direkt beim Zollterminal stehen. Super, die Automaten «sprechen» sogar deutsch. Für Fahrzeuge über 3.5t muss eine streckenabhängige Gebühr im Voraus entrichtet werden, welche jeweils genau 24h gültig ist. Zudem muss die exakte Strasse angegeben werden, die wir befahren wollen. Also kein links und kein rechts. Hmm, nicht das was wir uns vorstellen. Wir wollen doch spontan bleiben. OK, Dani versucht geduldig dem Automaten eine e-Vignette zu entlocken. Bei der Routenwahl kann nach Ortschaften gesucht werden, wobei dazu eine kyrillische Tastatur eingeblendet wird – trotz deutscher Sprachwahl. Echt jetzt!

 

Zurück im Fahrzeug haben wir das Ganze via PC dann doch noch geschafft. Umgerechnet 5.- CHF für die ersten 80km zum Felsenkloster Aladscha. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine bulgarische Währung wechseln können. Die mürrische Dame am Schalter hat uns für den Eintritt ins Kloster 6 Euro abgenommen.

 

Zurück auf dem Parkplatz mussten wir feststellen, dass jemand versucht hat, unsere Beifahrertüre aufzubrechen. Das Schloss war hinüber. Glücklicherweise war der Idiot nicht nur dreist, sondern auch unfähig. Die Türe hatte er nicht aufgekriegt, wir allerdings auch nicht mehr, jedenfalls nicht mehr von aussen. 

 

Beim Parken vor einer Bank, um Lew zu beziehen, wurden wir erneut von äusserst unfreundlichen Personen belästigt. Die Dame wollte vermutlich unseren Parkplatz. Dani hatte ihr ein Lächeln geschenkt und eine Kusshand zugeworfen, was sie komplett irritierte. Wir haben sowas auf unsere Reise noch nicht erlebt. Wir fühlten uns hier nicht willkommen.


Der Küste entlang

In Varna an unserem Standplatz für die Nacht ruft uns jemand von aussen zu. Ein Deutscher, der seit fünf Jahren in Varna lebt, hat unser Kennzeichen gesehen. Wir laden ihn auf ein Bier in unsere Kabine ein und erzählen ihm unser Erlebtes. Er zeigt sich nicht überrascht und erzählt Beispiele, was ihm alles schon widerfahren ist. Nicht destotrotz geben wir dem Land und seinen Einwohnern noch eine Chance und schmieden exakte Pläne für den nächsten Tag. Müssen wir ja, wegen der Strassengebühr.

 

Das Tagesziel Nasebar ist eine Hafenstadt am Schwarzen Meer. Die Altstadt, die auf einer Landzunge liegt, wird von Ruinen, Festungen und Bäder gesäumt. Die Sonnenküste, welche gegenüberliegt liegt, ist mit grossen Hotelbunkern zubetoniert und kein schöner Anblick. Auf dem Parkplatz sehen wir das erste Mal seit unserer Abreise ein ähnliches Reisemobil und wir parkieren in unmittelbarer Nähe. Vielleicht laufen wir uns ja über den Weg und prompt stehen Nadine und Marc (mit Hund Neo) aus Frankfurt schon bald vor unserem Fenster. Frühstück muss warten, denn wir freuen uns auf einen Informationsaustausch. Sie sind auch nicht so begeistert von Bulgarien und es zieht sie wie uns in Richtung Griechenland. Nach der Altstadtbesichtigung, welche wirklich sehr schön ist, beschliessen wir die Mautdaten neu einzugeben, danach Gas geben und im Landesinneren einige Kilometer in Richtung Süden zurückzulegen.


Am UFO Landeplatz

Über die Berge ab zum Buzludzha Monument, welches auch den Spitznahmen UFO trägt. Der Bau des «Heimdenkmal der Bulgarischen Kommunisten Partei Bulgariens» so er der offizielle Name, dauerte 7 Jahre und kostete 8,2 Millionen Euro und diente als Hauptquartier der Kommunistischen Partei. Tausende von «Freiwilligen» waren an der Entstehung beteiligt. Eigentlich sollte es ein Kranz auf dem Berg Chadschi Dimitar darstellen (ok?) und der Turm wiederum einen Fahnenmast mit einer Sternflagge symbolisieren. Relikte aus der kommunistischen Zeit Bulgariens. Nach dem Fall des sozialistischen Regimes im Jahre 1989 fiel das Monument dem Vandalismus und Zerstörungswut der Menschen zum Opfer. Leider zeigt der Staat am Erhalt des Denkmals und Zeitzeuge keinerlei Interesse. Das innere der fliegenden Untertasse kann nicht mehr besichtigt werden, da der Zerfall schon so fortgeschritten ist. 

 

Die Innschrift bedeutet in etwa:

"Auf die Füsse verachtete Genossen. Auf die Füsse ihr Sklaven der Arbeit! Unterdrückt und gedemütigt steht auf gegen den Feind! Lasst uns ohne Gnade, ohne Vergebung. Ja, wir reissen das alte, verfaulte System ab, Arbeiter, Arbeiterinnen"

 

Der nächste Stellplatz ist schnell gefunden und liegt ruhig, idyllisch direkt (ihr ahntes) an einem Flüsschen in dem wir uns noch ein kühlendes Bad gönnen. Restaurantbesuche reizen uns zurzeit wenig und wir lieben es sehr, irgendwo im nirgendwo im Freien zu Schlemmen und die milden Temperaturen zu geniessen. So haben wir auch unsere Türschlösser unter Kontrolle.


Rila Kloster und Seen

Die Geschichte des Rila-Klosters ist eng mit dem ersten bulgarischen Eremiten, dem Heiligen Ivan Rilski verbunden, der sich in der Gegend niederliess, um fortan ein einsames Leben in Gebet und Entsagung zu führen. Die Bergkette, die es umgibt, wird auch unter dem Namen dieses Heiligen - Heiliger Ivan von Rila - genannt. Das Kloster in Rila ist heute ein 8.800 Quadratkilometer großer Komplex, der einen Besuch wert ist. 

Das Kloster ist eines der Wahrzeichen Bulgariens und wurde 1983 zum UNESCO-Kulturerbe erklärt. Wir sind beeindruckt vom grossen Ausmass des Klosters und der sehr schönen Renovation. Der Innenhof ist trotz seiner Grösse sehr lieblich anzusehen.

 

Das Kloster befindet sich auf der Südseite des Rila-Gebirges, wo sich die sieben Rila-Seen befinden. Der Zugang zu den Seen befindet sich allerdings auf der Nordseite. Also einmal rund um das Bergmassiv fahren und nahe an der Talstation der Sesselbahn ein Stellplatz suchen. Jeden Montag ist die Sesselbahn, welche die ersten 800 Höhenmeter überwindet, bis 12.30h wegen Wartungsarbeiten ausserbetrieb. Also die ganze Strecke morgen zu Fuss hoch, denn es ist heute Sonntag.

 

Am nächsten Morgen trotteten wir zusammen mit dem Hund des Seilbahnwartes um 06.00h los um den Sonnenaufgang auf dem Berg zu geniessen. Die Sieben Rila-Seen sind unbestritten eine der meist beeindruckenden Natursehenswürdigkeiten der gesamten Balkanhalbinsel. Ein zauberhafter Ort, den man gesehen haben muss. Alle sieben Seen sind durch schmale Engen miteinander verbunden.

Die Seen werden durch Schmelzwasser und Regen gespeist. Nach der fünfstündigen Wanderung waren wir froh, dass die Bahn bereits wieder lief und uns den steilen Abstieg ersparte.


Covid-19 negativ

Retour im Tal hatten wir die Bekanntschaft mit Ivan gemacht, welcher uns noch einige Tipps mit auf den Weg gegeben hat. Wir tauschen unsere Handynummer aus, er wollte uns am Abend mit ergänzenden Informationen eindecken.

 

Er war es auch, der uns ein Labor in Sandanski der letzten Stadt vor der Grenze nach Griechenland angeben hat. Wir benötigen für die Einreise einen negativen Covid-19 Test. Innerhalb von 24h hatten wir das negative Testresultat und den Papierkram, welchen die Griechen gerne im Vorfeld erledigt haben wollten, ausgefüllt und der Einreise stand nichts mehr im Wege. Die Wartezeit haben wir mit Fitness, Spa/Wellness und einem ausgiebigen Nachtessen ausgefüllt.

 

Bei der Ausreise am bulgarischen Zoll haben wir uns wie gewohnt bei "Car/Bus" eingeordnet. Kaum am Zollhaus wurden wir schroff darauf hingewiesen, dass wir uns in der "TIR" Linie bei den Lastwagen einordnen müssen. Danis Versuche den unterschied zwischen Camper und Gütertransport zu erläutern fruchteten nicht. Das Fahrzeug sei schwerer als 3.5t ergo Lastwagen.

 

OK, Retourgang rein und in die TIR Linie einordnen. Glücklicherweise wurde der LKW vor uns zügig abgefertigt. Nach der Prüfung der Dokumente erklärte uns der Beamte, dass wir uns in die "Car/Bus" Reihe stellen müssen und wir hier falsch seien. Tief durchatmen hilft in solchen Situationen. Nach Erläuterung der Vorgeschichte hatte er uns mit einem Kopfschütteln durchgewunken.

 

Goodbye Bulgarien und Kalimera Griechenland.