Blog #20, Marlene:

Kurdistan

Wir sind über Weihnachten und Neujahr (2021/22) zurück in die Schweiz gefahren um anstehende Kontrollen, Wartungen und Reparaturen an Mensch und Maschine vorzunehmen. Die Zeit wurde gut genutzt um Familie und einige Freunde zu treffen. Unsere Treffen mit Freunden mussten wir wegen der aggressiven Virusvariante Omikron absagen oder auf einen Spaziergang im Freien reduzieren. Wir wollten uns auf keinen Fall infizieren, da wir in der Familien einen Patienten im Spital hatten und wir im Februar wieder los wollten.

 

Knapp 4'000 km sind es von der Heimat an die Grenze Kurdistans. Drei Wochen haben wir uns Zeit dafür genommen. Von Italien nach Griechenland verschiffen wir in die ekelerregende Fähre von Brindisi (I) nach Igoumenitsa (GR) und waren froh, dass wir heil angekommen sind. Zwei Tage nach unserer Ankunft ist dann tatsächlich eine Fähre – eine andere – in Flammen aufgegangen. Wir wundern uns nicht.

 

Zuerst ein paar Fakten zu Kurdistan

Der Begriff Kurdistan ist in der Türkei ein verbotener Begriff und sollte nicht thematisiert werden. Spricht man mit einem Kurden über das Thema, ist Kurdistan die Region, das Hauptansiedlungsgebiet in dem die Kurden leben. Sie bilden eine eigene ethnische Volksgruppe in der Türkei, Iran, Irak und Syrien.

Das autonome Gebiet Kurdistan hingegen, ist ein nicht genau begrenztes Gebiet und befindet sich in Nordirak. Die Region besitzt ein eigenständiges Parlament mit Sitz in Erbil (Hewlêr) und unterhält eine eigene Militärorganisation, die Peschmerga. 

 

Im Jahr 1970 wurde der kurdischen Bevölkerung im Nordirak von der Zentralregierung in einem Abkommen erstmals rechtlich Teilautonomie zugesichert. Die angestrebte kurdische Teilautonomie konnte sich jedoch in dieser von zahlreichen ethnisch-politischen Konflikten geprägten Zeit zunächst nicht etablieren. Die Bildung eines Regionalparlamentes 1992 nach der Errichtung der Flugverbotszone über den Nordirak führte zur De-facto-Autonomie der Region. Nach dem Irakkrieg wurde die Region per Sondergesetz anerkannt. In der im Jahre 2005 erlassenen irakischen Verfassung wurde rechtlich die Gebietskörperschaft „Region“ geschaffen, und die bis dahin errungenen Autonomierechte der Region Kurdistan in dieser Gebietskörperschaft konsolidiert. Gegenwärtig handelt es sich bei der Region Kurdistan jedoch um die einzige Region des als föderal definierten Irak. 

Chaotische Ordnung

Adnan ist in Kurdistan geboren und wohnt seit geraumer Zeit in der Schweiz zusammen mit unserm Sohn Luca in derselben WG in Zürich. Wir kontaktieren und informieren ihn via WhatsApp über unser Vorhaben. Zufälligerweise lebt seine Familie in Zaxo der irakischen Grenzstadt, wo wir ins Land einfahren. Sie kommen uns abholen, hat uns Adnan versichert. Ein Foto von uns und dem Unimog soll dem Empfangskomitee helfen uns zu erkennen.

 

Der Grenzübertritt in das autonome Gebiet erscheint für uns sehr chaotisch und unorganisiert. Sehr viele Beamte, Schalter, handgeschriebene Laufzettel, Stempel und Menschen die in Schlangen anstehen. Trotz Gewuschels herrscht eine sehr entspannte Situation hier. Ohne Hilfe sind wir allerdings total aufgeschmissen. Zu Beginn werden wir von einem Beamten in blauer Uniform durch die verschiedenen Schalter geschleust. Wir haben hier die VIP-Karte gezogen. Der Uniformierte drängte sich mit uns vor die in der Schlange stehenden Menschen, direkt an den Schalter. Wenn der Schalter besetzt ist, weisst er die Person weg und drängt sich vor. Die Situation ist uns sehr unangenehm. Wir sind Schweizer und drängen uns nie vor! Hier scheint sich aber niemand aufzuregen. Jetzt kommt eine weitere, offensichtlich sehr wichtige Person in Zivil ins Spiel. Er erklärt dem Uniformierten, dass er uns kenne und uns ab sofort betreuen werde. Er ist ein Bekannter von Adnan oder dessen Bruder oder Onkel, wir wissen es nicht genau, und arbeitet offensichtlich hier am Zoll. Alle scheinen ihn zu kennen. 200 Dollar im angrenzenden Shop in lokale Währung (Dinar) wechseln, damit die Visagebühren bezahlen, Pässe abstempeln lassen, zurück zum Fahrzeug für den Security Check, Blick ins Fahrzeug und den Aussenboxen. Der Sicherheitsbeauftragte stellt fest, dass bei Dani der Fahrerstempel im Pass fehlt. Also zurück ins andere Gebäude, vordrängen, Fahrerstempel eintragen lassen und für das Auto Einreise- und Ausreise-Dokumente erstellen.

 

Normalerweise zieht der Zoll den Pass des Fahrers als Pfand für das Fahrzeug ein. Die Rückgabe erfolgt erst wieder bei der Ausreise. Da wir auf der anderen Seite des Landes im Osten in den Iran einreisen wollen, geht das so nicht. Aus diesem Grund müssen wir noch zum kurdischen «Strassenverkehrsamt/TÜV» um für das Fahrzeug entsprechende kurdische Fahrzeugpapiere erstellen zu lassen.

Sorry, keine weiteren Fotos, da fotografieren am Zoll nicht erlaubt ist.


Für zwei Tage ein Teil der Familie sein

Wir verabschieden uns herzlich von all unseren Helfern an der Grenze und treffen uns mit Botan dem Bruder von Adnan. Er führt uns zum «Strassenverkehrsamt». Ich fahre das Fahrzeug in das Areal, Dani und Botan gehen von Schalter zu Schalter mit immer mehr Dokumenten in den Händen. Sie huschen zwischen zwei Gebäuden hin und her. Jedes Mal, wenn Dani bei mir am Unimog vorbeiläuft sagt er: «Es geht nicht mehr lange, wir haben’s gleich.» Noch dem fünften Mal und total zwei Stunden inklusive Zollformalitäten haben wir es endlich geschafft.

 

Die kurze Strecke nach Zaxo dauert ca. eine halbe Stunde. Botan fährt mit maximal 30 km/h durch die Strassen, weil er glaubt, Marlene könne mit dem Gefährt nicht schneller fahren. Bei Adnans Familie angekommen werden wir sehr herzlich begrüsst und eingeladen. Wir dürfen so lange wir möchten bleiben und sind ab sofort Teil der Familie. Adnans Familie ist für uns unvorstellbar gross. Wir lernen nebst Botan noch weitere fünf Schwestern kennen und die dazu gehörenden Männer mit ihren vielen Kindern. Wir geniessen die unglaubliche Gastfreundschaft und Lebensfreude der Familie und schlemmen zusammen die aufgetischten, leckeren kurdischen Spezialitäten. Die Abende sind lang und es wird geplaudert, getanzt und viel gelacht. Die Kommunikation geht recht gut da einige englisch sprechen oder Adnan am Telefon übersetzt. Irgendwann in den frühen Morgenstunden wurden für uns Matratzen ausgelegt und wir dürfen im Wohnzimmer übernachten. Nach zwei kurzweiligen und mit Essen ausgefüllten Tagen und zwei ruhigen Nächten bei der Familie Sndi fahren wir schweren Herzens weiter in Richtung Erbil.


Erbil

Erbil ist die Hauptstadt und zugleich auch der Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Wir besichtigen die historische Altstadt. Die Zitadelle ist ein befestigter Teil inmitten der Altstadt von Erbil. Laut der UNESCO ist die Zitadelle eine der ältesten durchgängig bewohnten Orte der Welt. Danach schlendern wir durch den grossen, bunten und wohlriechenden Bazar und kaufen dies und das zum Essen. Wir lassen uns vom Strudel der vielen Menschen mitziehen und landen auf einem ellenlangen Markt bei dem es einfach alles zu kaufen gibt. Wir fallen auf und werden immer wieder von den Leuten angesprochen und über unsere Herkunft und Ziele befragt. Wir geben geduldig Auskunft. Niemand will dir hier etwas aufschwatzen, niemand zieht dich hier über den Tisch. Es tröten laute, unverständliche Worte repetierend in der Endlosschlaufe aus kleinen Megafonen der zahllosen Händler. Da scheinen die Aktionsdurchsagen in der Migros geradezu angenehm und poetisch. Ich weiss jetzt gar nicht mehr, wann wir das letzte Mal in einem Kaufhaus waren.

 

Zusätzlich müssen wir eine Haftpflichtversicherung für 30 Tage abschliessen. Aus iOverlander, ein App für Reisende wie wir, erfahren wir den Standort der Versicherungsgesellschaft. Yasemin aus Syrien offeriert uns ein Kaffee in ihrem Office im 16.Stock mit entsprechender Aussicht. Die 30 USD können wir in Bar bezahlen und eine Stunde später sind wir im Besitz einer irakischen Haftpflichtversicherung.


Akrê

Die Reise führt uns weiter nach Akrê, eine Stadt die in eine untere und obere Region eingeteilt wird. Der obere am Hügel gelegene alte, historische Stadtteil hat unser Interesse geweckt.

 

Dani hat auf Google Maps über der Stadt einen Stellplatz ausfindig gemacht. Solche Kartenentscheide können auch gerne mal in die Hosen gehen. Auf der Karte ist nicht zu erkennen wie schmal die Strassen oder wie hoch allfällige Durchgänge sind. Der Unimog schlängelt sich in Serpentinen den Berg hoch. Oben angekommen werden wir mit einer perfekten Aussicht belohnt. Während ich in der Küche stehe und das Abendessen vorbereite und Dani den Esstisch und Stühle in die untergehende Abendsonne stellt, fährt ein schwarzer Pickup mit getönten Scheiben vor. Ein Herr im schwarzen Anzug mit Pistolenhalfter am Gurt und ein Zweiter im Camouflage Dress mit einer Schnellfeuerwaffe steigen aus. Sie geben sich sehr freundlich als Regierungsbeamte (Government) aus und stellen die üblichen Fragen. Pass vorzeigen, wo kommen wir her, wo gehen wir hin und Blick in die Wohnkabine. Wir sind beruhigt und sie offenbar auch. Sie geben uns aber zu verstehen, dass wir hier nicht über Nacht bleiben können. Nach 19:00 Uhr müssen wir uns ins Dorf stellen. OK, verstanden! Machen wir natürlich.

 

Nach dem Essen gondeln wir gemächlich durch die Gassen. Kinder winken uns zu und geben uns zu erkennen wir sollen anhalten und ihnen folgen. Die dazu gehörenden Väter kommen angerannt und gestikulieren mit ähnlichen unmissverständlichen Gesten. Wir erklären, dass wir gerne auf einen Cay kommen, der hat nach unserem Abendessen gerade noch Platz. Wir bemerken bald, dass es sich hier um zwei verschiedene Familien handelt, die sich nun streiten, bei wem nun die weit gereisten Gäste Tee trinken sollen. Wir nehmen ihnen die Entscheidung ab und folgen dem der am lautesten insistiert. Natürlich bleibt es nicht beim Tee und es wird wieder ein unglaubliches Festmahl am Boden in der Stube aufgetischt. Inmitten der Grossfamilie den Brüdern/Schwestern, Cousin/Cousine, Tanten/Onkeln und deren Kinder sitzen wir entspannt und unterhalten uns so gut es geht. Wir haben aufgehört zu zählen und haben den Faden wer zu wem gehört verloren. Klar, schlafen wir auch hier in einem der Räume auf den ausgerollten Matratzen und verkriechen uns zu später Stunde unter den Decken. Nach dem Frühstück und den vielen herzlichen Umarmungen verabschieden wir uns, wir wollen nun die Altstadt von Akrê am Tag erkunden.


Stellplätze in Kurdistan

Nach unserer ausgiebigen Wanderung durch das malerische Städtchen fahren wir weiter in Richtung Soran. Auf dem Weg soll es etliche Wasserfälle geben. Die Landschaft ist atemberaubend die Wasserfälle hingegen gehören für uns verwöhnte Schweizer in die Kategorie «Kann man, muss man aber nicht sehen». Die Stellplatzsuche hier in Kurdistan ist wesentlich schwieriger als noch in der Türkei. Die Menschen hier sind sich Touristen mit einem Fahrzeug, wo man darin kochen und schlafen kann, nicht gewohnt. Natürlich kann die Optik unseres Weltreisemobils für manche Menschen bedrohlich wirken. In Akrê, wo man sich offenbar eher Touristen gewohnt ist, haben wir das allerdings nicht feststellen können – im Gegenteil. Vor allem die Beamten an den Polizeiposten sind meist im ersten Moment überfordert, wenn sie uns sehen. Wir nutzen diese Situation, wenn immer möglich aus, winken höflich und fahren langsam aber bestimmt an ihnen vorbei, bevor sie entscheiden können uns kontrollieren zu wollen. Nachgefahren ist uns noch keiner.

 

Wir suchen unsere Stellplätze so, dass wir, wenn immer möglich, von Zufahrtsstrassen aus nicht gesehen werden. Da hilft nun auch unsere unauffällige Farbe etwas mit. Wir können nicht immer verhindern, dass wir gesehen werden, sodass es am Abend jeweils mehrmals klopft und die Leute die üblichen Standardfragen stellen. Wir geben immer freundlich und geduldig Auskunft, was die Leute immer beruhigt oder gar begeistert. Solche Begegnungen sind, wenn auch nervig ebenso spannend.

 

Der nächste Tag würde uns wohl durch wunderschöne Berglandschaft führen nur sehen wir davon genau gar nichts. Es regnet in Strömen und es ist eine riesige Schlammschlacht abseits der Strasse. Wir passieren auch hier einige Polizei Checkpoints. Die Herren in Uniform lassen sich durch den Regen nicht abhalten unsere Pässe eingehend zu prüfen, die Wohnbox zu besichtigen und zum Abschluss einige Selfies zu schiessen. Sie können es sich sichtlich nicht vorstellen wie es in der Kabine aussieht und wie wir leben. Ich liebe die Herren, wenn sie mit ihren matschigen, klobigen Militärschuhen in die Kabine steigen. Wir immer nett lächelnd und danach fluchend putzen.

 

Kurz vor Erbil, wo wir am nächsten Tag unsere Iran Visas abholen wollen, parken wir unseren Unimog für die verdiente Nachtruhe. Auch hier, ihr kennt es schon, fährt die Polizei mit Blaulicht ein und kontrolliert unsere Pässe. Die Kontrollen sind mühsam aber verlaufen immer sehr freundlich. Der nette Polizist kommt dann nachts nochmals und bringt uns massig Früchte und eine megafeine Dattelsüssspeise vorbei. Er bleibt dann auch noch etwas länger und möchte viel wissen und zeigt uns Fotos von seiner Grossfamilie. Auch wir zeigen in solchen Fällen immer unsere vergleichsweise mickrig kleine aber feine Familie. @Luca, hier kennt wohl bald jede Familie dein Gesicht. Kurz bevor ich am Tisch einnicken, verabschiedet er sich und wir sind am nächsten Tag bei ihm in Erbil zum Essen eingeladen. Dankend aber bestimmt lehnen wir die Einladung ab, denn wir haben ein volles Programm.


Oups, falsche Grenze

Die Abwicklung der Visas im iranischen Konsulat ist nur noch eine Formsache, denn wir haben im Vorfeld schon die notwendige Referenznummer in Teheran bestellt und diese nach 8 Tagen als PDF via Email erhalten. Alles auf unserem kleinen Printer ausgedruckt und nun steht unserer Weiterreise nichts mehr im Weg - Inshallah. Unser treues Gefährt steht vor Dreck, wir suchen deshalb eine Autowaschanlage. In den Aussenbezirken der Grossstädte oder an grösseren Tankstellen wird man in der Regel schnell fündig. Ein sauberes Fahrzeug ist den Kurden wichtig. Nicht nur das, sie sind sehr bemüht ihre Kleider und vor allen die Schuhe stehts sauber zu halten. Die Schuhe, wenn es nicht gerade Sneakers sind, glänzen meist so, dass man eine Sonnenbrille benötigt um nicht geblendet zu werden. Die Ansprüche sind hoch, wir kommen uns immer etwas dreckig vor, wenn wir aus dem Fahrzeug steigen. Die Crew der Autowachanlage nimmt sich unseren Patienten vor. Wir halten derweilen unsere Gesichter in die Sonne und unterhalten uns nett in der Gebärdensprache in alle Richtungen. Nach etwa 30 Minuten glänzt der Unimog mit den Schuhen der Iraker um die Wette. Wir strahlen ebenfalls, wenn auch nur über das Gesicht.

 

Weiter geht es in Richtung Suleimani, der letzten Grossstadt vor der Grenze zum Iran. Wie immer haben wir den Zielort im Navi eingegeben und das System zeigt uns den schnellsten Weg. Wir geniessen die Fahrt bei schönstem Sonnenschein. Wieder ein Polizeiposten, wir winken und machen ein freundliches Gesicht. Wir werden durchgewunken. Freundlich winken hilft, denken wir. Ein paar Minuten später eine erneute Kontrolle. Da genügt auch angestrengtes Winken nicht. Sie wollen unsere Papiere sehen. Der Posten sieht sehr gross aus, viele Leute in unterschiedlichen Uniformen stehen herum und scheinen alle ihre Aufgabe zu haben. Nach kurzer Prüfung unserer Pässe geben sie uns zu verstehen, dass wir hier nicht weiterfahren können. Wir würden hier in den Irak einreisen, also Kurdistan verlassen und uns fehle das Visum. Klar fehlt es, wir beabsichtigten auch nicht Kurdistan zu verlassen. Das Navi hat uns einfach den kürzesten Weg vorgeschlagen, was sich als Fehler entpuppt hat. Da Kurdistan kein offizielles Land mit Landesgrenzen ist, fehlen diese auch in den gängigen Karten und Navigationssystemen. Also U-Turn und auf der anderen Seite wieder zurück. 

Warten auf den PCR-Test

Nach einem tägigen Umweg durch wunderschöne Landschaften, es regnet nicht mehr, kommen wir müde aber erleichtert in Suleimani, der zweitgrössten Stadt in Kurdistan, an. Sie gefällt uns auf Anhieb viel besser als Erbil, sind aber KO und schauen sie morgen an. Wir wollen noch schnell den PCR Test machen doch für uns vorstellbar, ist das Spital hier am Freitag (unser Sonntag) geschlossen. Fazit: Nie am Freitag krank werden oder einen Unfall haben.

Während der Nacht regnet es erneut. Am nächsten Morgen schauen wir, wie jeden Morgen, durch das Dachfenster, die aktuelle Wettersituation an. Das Fester ist allerdings so schmutzig, dass wir nichts erkennen können. Wie wenn sich eine rötliche Masse über das Fahrzeuge geleert hätte. Scheinbar hat sich der Regen mit aufgewirbeltem Sand vermischt und über die ganze Stadt verteilt. Unser frisch gewaschenes Auto ist rötlich paniert und sieht aus wie ein Fischstäbli. Die Luft ist drückend und voller Schwebeteile, so dass wir das Flanieren auslassen und gleich zum PCR Test antraben. Wir strahlen auch nicht mehr so. 

 

Unsere Stimmung wird nicht besser als wir im Spital eintreffen. Offenbar wollen alle zu Newroz in den Iran. Wir ziehen die Nummer 253 und 254. Aktuell wird die Nummer 51 bedient. Ja bravo! Man versichert uns, dass wir in einer Stunde an der Reihe wären. Wir nutzen die Zeit und setzen uns in ein nahegelegenes Kaffee und bestellen zwei Cay. Es setzen sich zwei junge Frauen neben uns an den Tisch und wir kommen ins Gespräch. Die beiden kommen aus Südafrika und arbeiten für ein Jahr als Englischlehrerinnen hier in der Stadt. Sie waren auch schon mehrere Jahre im Mittleren Osten als Lehrerinnen unterwegs. Die beiden sind noch keine 30 Jahre alt und haben schon so viel erlebt. Wir haben noch viel aufzuholen.

 

Ohne es bemerkt zu haben, bezahlt ein anderer Gast unsere Tees und bedankt sich, dass wir sein Land besuchen kommen und heisst uns mit dieser Geste herzlich willkommen. Wir bedanken uns herzlich und können es kaum fassen. Aus einer anderen Ecke im Raum ruft ein weiter Mann in einem breiten Zürichdeutsch: «Mir Kurde sind halt so!» Er lebt seit zwanzig Jahren in Zürich und ist hier geschäftlich unterwegs. Unvorstellbar, was man in 60 Minuten alles erleben kann. Apropos 60 Minuten, wir müssen zurück ins Spital. Tatsächlich nur wenige Minuten nach unserem Eintreffen werden unsere Nummer aufgerufen. Also, es wird uns übersetzt welche Nummer aufgerufen wird, es hat überall freundliche Helfer vor Ort. Der Test selber dauert mit Passkontrolle, Bezahlung und Abstrich nicht mehr als zwei Minuten. Sie sind mindestens so fix wie freundlich!

 

 

Somit nehmen wir die letzten zwei Fahrstunden zur Grenze in Angriff, denn wir wollen sobald das Testresultat via Internet zur Verfügung steht, über die Grenze.


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