Blog #19, Marlene:

Merhaba Türkei, schön dich wieder zu sehen!

Wir reisen etwas schwermütig zurück nach Deutschland um die Defekte am Fahrzeug in Ordnung bringen zu lassen und, das ist die erfreuliche Seite, in die Schweiz um unsere Familien und Freunde zu sehen. Zudem ist es nur ein kleiner Zwischenstopp für unser grosses Vorhaben die Welt zu umrunden. Wir holen quasi Anlauf für einen zweiten Versuch.

 

Unsere Rückreise durch die Türkei soll uns via Hatay Gebirge ans Mittelmeer bringen. Hatay ist die am südlichsten gelegene Provinz in der Türkei und grenzt im Westen ans Mittelmeer und im Osten an Syrien. Von der Schwarzmeerküste, wo wir von Georgien eingereist sind, bis zum Mittelmeer liegen allerdings noch mehr als 1’000km Asphalt vor uns. Auf dem Weg dorthin gibt es noch viel zu bestaunen, was wir auf der Hinreise verpasst hatten. 

 

So machen wir Halt in Narman. Die roten, über die Jahre von Wind und Wasser gezeichneten Felsformationen, die Fairy Chimneys, sind spektakulär anzusehen und erinnert uns sehr an Kappadokien. Das überschaubare Gebiet ist eigentlich eine Mischung zwischen dem kleinen Bruder des Grand Canyon und Kappadokien und kann in ein paar Stunden begangen werden, was wir uns nicht entgehen lassen. Auf der eindrücklichen Wanderung ist es schwierig die Augen auf den Boden zu richten. Trotzdem finden wir auf dem ausgetrockneten Boden Champignons, nebst dem Steinpilz der einzige Pilz den wir uns zutrauen zu erkennen. Es macht uns besonders stolz, wenn wir unser Essen selber finden. Wir fühlen uns als Selbstversorger und Abenteurer auch wenn der Kühlschrank in der Wand zum Bersten voll ist. Die Nacht verbringen wir mitten in den eindrücklichen Felsbrocken.

 


Im Kriegsgebiet?

In Diyarbakir, mit 1.8 Millionen Einwohner der zweitgrössten Stadt in Ostanatolien, haben wir eine Adresse einer «Textilfabrik» bekommen. Dort wollen wir unsere arg strapazierten Campingstühle neu beziehen lassen. Mitten in der Stadt streikt das Navi. Unser Fahrzeug auf der digitalen Karte auf dem iPad steht still oder springt in der Stadt hin und her. Was ist jetzt los? Ein Check auf dem iPhone ergibt dasselbe seltsame Resultat. Also der aktuelle Fahrzeug Standort ignorieren und wie früher die Karte lesen. Anhand von markanten Punkten in der Karte haben wir nach 20 Minuten den Laden gefunden. Geht doch.

 

Wir verhandeln zuerst den Preis. Der Besitzer, ein kurdischer Familienvater mittleren Alters, kennt offenbar die westliche Kaufkraft und setzt die Latte hoch an. Wir treffen uns schlussendlich bei einem für uns fairen aber letztendlich Touristenpreis, welche die Kurden hier nie bezahlen würden und können. Egal, die Bevölkerung hier wird arg gebeutelt von der türkischen Regierung wie wir erfahren müssen. Ein älterer Herr mit Augenklappe gesellt sich zu uns und fragt, was wir hier in dem Kriegsgebiet machen. Die Geschichte der Stadt eine tragische und traurige. 2015 wurde ein grosser Teil der Altstadt vom türkischen Militär bombardiert und die Menschen (Kurden und Armenier) aus ihren Häusern vertrieben. Wer die ganze Tragödie lesen möchte: Link

 

Wir denken die Augenklappe des älteren Herrn rührt von einem Granatsplitter im Gefecht. Die Wahrheit ist weit weniger dramatisch, er hatte eine routinemässige Augenoperation. Trotzdem, das verrücktspielende Navi rührt vermutlich von Massnahmen der türkischen Regierung, die das GPS Signal bewusst stören um die Navigation zu erschweren. Was vermutlich zum Standardprozess in Kriegsgebieten gehört.

 

Für die vier Stunden Wartezeit, die die Produktion der Bezüge in Anspruch nimmt, machen wir es uns gemütlich in den bereitstehenden Sofas. Çay (Tee) und Yemek (Essen)? fragen sie uns. Wir nicken und Minuten später biegt sich der Tisch vor uns mit kurdischen Leckereien – im Preis inbegriffen versteht sich. Dani wird u.a. ein Immobilien Deal in Ankara angeboten. Er unterhält sich, Google Übersetzer sei Dank, blendend mit den immer mehr eintreffenden Personen, Freunde, Verwandte. Ich fühlte mich dabei eher als Dekoration. So habe ich die Zeit genutzt und bin zum Bayan Kuaför (Frauen Coiffeur). Fotos habe ich keine gemacht, denn die Frauen nehmen untereinander die Kopftücher ab und das ist nicht für Männeraugen gedacht. Dani war zwischenzeitlich auch beim Kuaför und hat für 3.50 CHF einen neun Schnitt auf Kopf und Kinn. 4 Stunden später mit Haare schön und vollen Bäuchen tauschen wir die neuen Stühle gegen Bares, bedanken uns und fahren ein paar Minuten zum Schlafplatz – ohne Navi.

 

Am nächsten Morgen haben wir uns wieder einmal in den Sattel geschwungen und sind in die Altstadt geradelt. Hat sich sehr gelohnt. Alleine schon des Frühstücks wegen. Unglaublich was im Hasanpaca alles aufgetischt wurde. Die Speisen sind ohne Ausnahme sehr lecker und der Service aufmerksam und liebenswert.  Es ist eine Stadt die vom lokalen Tourismus profitiert und mit einem sehr orientalischen Flair fest in kurdischen Händen ist. 


Auf den Spuren früher menschlicher Zivilisation

Die Reise geht weiter durch des wunderschöne Ostanatolien nach Göbekli Tepe und Harran. Harran ist, so wird vermutet, der Ort Haran der mehrfach im alten Testament erwähnt wird. Erzvater Abraham und sein Enkel Jakob sollen für gewisse Zeit dort gelebt haben. Bekannt ist Harran u.a. auch wegen seiner Trulli-Häuser, einer uralten Bauform der hier anzutreffenden Häuser. 1023 Steine werden für den Bau der Kuppel benötigt. Im Innern dieser Häuser herrscht eine angenehme Kühle, gänzlich ohne Air-Kondition und Ventilatoren. Wegen der Architektur und den unzähligen Ausgrabungsstellen und der damit verbundenen Geschichten, ist Harran ein riesiges Touristenmagnet. Der Ort wird täglich von duzenden Touristenbussen angefahren. Entsprechende verhalten sich die heutigen Einwohner der Stadt. Ein Verhalten, dass nicht unseren Vorstellungen entspricht und uns den Zugang zu der Stadt und deren Geschichte gar nicht richtig zulässt – schade. Wir verlassen den Ort fluchtartig.

 

Göbekli Tepe hingegen hat sich sehr gelohnt. Die Ausgrabungen legen eine Stätte mit unglaublich 12'000 Jahren alten Bauwerken frei. Die Funktion der Anlage ist bis heute unklar. Man vermutet, dass nur ein Bruchteil der kreisförmigen Steinanlagen freigelegt sind. Es ist eines der ältesten menschlichen Zeugnisse mit hochkulturellem Hintergrund. Wir können uns kaum vorstellen wie die Menschen damals vor so vielen Jahren gelebt haben und wie sie diese unglaublichen Bauwerke erstellen konnten. Sehr beeindruckend!


Fische und Geschichten

Die nächste Stadt auf der Route ist Şanlıurfa auch Urfa genannt, ist eine alte Stadt im Südosten Anatoliens. Mit seinen ausgezeichneten alten Gebäuden und seinen Verbindungen zum Christentum und zur islamischen Tradition bietet Urfa eine grosse Reise voller Geschichte, Religion und Architektur. Sie sieht aus wie eine Stadt im Nahen Osten und wir schlendern mit Begeisterung durch die engen Gassen. Der Name dieser Stadt ist auch in vielen biblischen Geschichten erwähnt.  Viele glauben, dass Urfa der Ort war, an dem Gott Hiob getestet hat. Gleichzeitig ist es auch der Ort, an dem der Prophet Abraham geboren, aufgewachsen und auch gestorben ist. Er wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wir wollen hier nur wenige Sehenswürdigkeiten besuchen unteranderem den «Balikligöl» . (See mit Fisch) und Abrahams Grab.

 

Der See ist ein heiliger Pool, der von den Muslimen als der Ort angesehen wurde, an dem Abraham von Nimrod ins Feuer geworfen wurde. Gerüchten zufolge wurden die Flammen zu Wasser und die brennenden Stämme zu Fischen. Noch heute gilt dieses Becken und die Fische darin als heilig; man sagt auch, dass jeder, der sie isst, blind geschlagen wird. Also nix mit Fisch heute, denn Dani will sein Augenlicht behalten. Für die unter euch, die mehr darüber wissen möchte, haben wir unten noch einige Geschichten notiert.

 

Ich wollte im Anschluss schon wieder ein türkisches Frühstück geniessen aber ausserhalb vom Zentrum. Wir haben auf gut Glück ein Restaurant auf Google ausgewählt und sind losgedüst. Die letzten Meter vor dem Ziel sind uns 2 Jungs mit ihrem Handwagen (sie sammeln PET ein) nachgerannt. Kaum aus dem Auto haben die Beiden uns angestrahlt und gefragt was wir hier machen. Mit handgesten erklärten wir, dass wir Essen gehen möchten und haben die zwei Jungs zum Frühstück eingeladen. Yechia und Mustafa sein kleiner Bruder sind syrische Flüchtlinge die mit ihrer Mutter geflüchtet sind, ihr Vater ist im Krieg gestorben. Hier im Osten ist Kinderarbeit weitverbreitet. Mir treibt es Tränen in den Augen, wenn ich Yechia vergnügt offen und Mustafa eher verschüchtert, mit uns am Tisch sitzen sehe und wie sie das Essen geniessen. Wir wechseln nicht viele Worte. Der hungrige Bauch ist gefüllt, die beiden bedanken sich herzlich, stehen auf vom Tisch und schieben ihre Karren winkend der Innenstadt zu.

 

Ich brauche eine Pause in der Natur um das Ganze zu verarbeiten. Es geht mir sehr an die «Nieren». Link zu Baumwolle einfügen (syrische Flüchtlinge) Wie viele Kleidungsstücke besitzen wir, die in irgendeiner Form mit Kinderarbeit in Verbindung stehen?

Link zur Baumwollgewinnung

 

Wir meckern über den Hund des Nachbarn, der in unserem Garten sein Geschäft erledigt. Wir meckern über die Geräusche die wir hie und da von neben an vernehmen oder die nicht ganz so sauber hinterlassene Waschküche. Wir ärgern uns über den Nachbarn der sein Auto immer auf den Besucherparkplatz stellt. Wir beklagen uns über unsere Mitmenschen, unseren Chef über die Arbeit sowieso. Sind das wirklich Probleme? Ist das so unglaublich schlimm? Ihr spürt gerade meine Hilflosigkeit und meine Traurigkeit. 


Jandarma am Euphrat

Unser nächster Stellplatz befindet sich unterhalb eines Stausees an einem Zufluss des Euphrats. Kaum haben wir uns ins Bett gelegt, klopft es an der Türe. Die Jandarma. Wir stehen offenbar in einer Sperrzone. Der uniformierte Mann mit umgehängtem Schnellfeuergewehr erklärt uns mittels Google Translater, dass in der Nähe eine Ölpipeline durchführe. Es sei eigentlich nicht erlaubt in der Sperrzone zu übernachten. Es ist ihnen sichtlich unangenehm und sie treten eingepackt in ihre Winterklamotten und Wollkappe von einem Fuss auf den anderen. Sie möchten, bevor wir losfahren, doch noch den «Komandante» kontaktieren. Klar, das kennen wir schon, dies kann nur vor Ort abgeklärt werden und wir warten bis er angefahren kommt. Er checkt kurz unsere Pässe und IDs und wir dürfen eine Nacht bleiben. Perfekt, so dachten wir. Kaum liegt der Kopf in der richtigen Lage, geht eine Sirene los. Der Staudamm in der Ferne ist hellerleuchtet und es kommen per Lautsprecher Infos. Da wir kein Wort verstehen und unmittelbar am Wasser parken verschieben wir uns in höheres Gebiet um dann wirklich gut und fest den Schönheitsschlaf einzuziehen.

 

In Rumkale am Euphrat liegend, sind wir auf einem herrlichen Plateau mit wunderbarer Sicht auf den Euphrat geparkt. Es ist sehr touristisch hier, also auf dem Fluss, um genau zu sein. Unzählige Touristenboote kreuzen auf dem heiligen Fluss auf uns ab. Auf jedem Boot erklingt eine andere orientalisch Musik aus den Lautsprecherboxen vermischt mit den lauten Kommentaren der Tourguides. Die Touristen werden von Halfeti nach Savasan Köyü und zurück geschifft. 1999 wurde der flussabwärts liegende Staudamm in Betrieb genommen und viele Dörfer überflutet so auch Halfeti nach Savasan Köyü. Mehr als die Hälfte der Gebäude stehen heute unter Wasser, sodass Teile der Moscheen und Minaretten aus dem Wasser ragen. Diese einzigartige Fotomotive sind der Grund für die vielen inländischen Touristen.

Aber auch hier, beim eindunkeln kommt die Jandarma um die Pässe zu kontrollieren. Dies ist aber nur ein Vorwand, denn sie wollen einfach nur wissen wie lange wir schon Reisen, wer wir sind und wir werden für den nächsten Tag zum Essen eingeladen.  Wir lehnen dankend ab, denn wir haben uns vorgenommen ein paar Tage zu fasten. Es sollten 10 werden, am Ende wurden es sehr lange 7. Wir haben erst den 3. Tage hinter uns gebracht und hängen schlapp und etwas motivationslos in den Stühlen vor einem Glass Wasser. In solchen Momenten wird es uns bewusst, dass das Essen ein wichtiger Bestandteil unsere Reise geworden ist. Dabei geht es nicht nur um den reinen Akt des Verzehrs. Genauso wichtig sind die Auswahl der Menus sowie Besorgung der Zutaten wie Obst, Gemüse und frische Kräuter auf dem Markt und deren Zubereitung in unserer kleinen Küche.

Wir wimmeln die abendlichen Besucher ab und versprechen, bevor wir die Gegend verlassen, noch auf einen Tasse Tee beim Posten vorbeizukommen. Kaum sind die beiden Uniformierten weg kommt Mehmet mit seinen zwei Cousins zu uns. Mehmet lebt in Frankreich und ist auf Besuch bei seiner Familie. Wir können uns so einigermassen Unterhalten ohne immer das Handy zu bemühen. Wir verstehen auf jedenfalls, dass auch sie uns zum Essen einladen wollen. Sie wohnen unweit von unserem Stellpatz im nächsten Dorf. Wir erklären, dass wir uns zurzeit nur von Wasser und Tee «ernähren» und leider nichts essen dürfen. Ramadan um diese Jahreszeit? Sie schütteln den Kopf. Es muss den Türken einen unwiderstehlichen Drang der Gastfreundschaft in den Genen liegen. Anders lässt sich der Besuch von Mehmet und seinen Freunden am nächsten Tag nicht erklären. Mit Tee, Kanne und Holz in Gepäck fahren Sie zu uns an das Ufer des Euphrats. Im nu brennt ein Feuer, heisses Wasser wird aufgesetzt, welches zum Tee in der Kanne aufgebrüht wird und wir setzen drumherum. Sie erzählen von den kulturellen Unterschieden zwischen der Türkei und Frankreich und der Dominanz der Männer in der türkischen Welt. Mehmet ist sehr liberal. Er war mit einer emanzipierten Französin verheiratet und hält wenig von den alten einengenden Traditionen. Wir vereinbaren ein erneutes Treffen, bei welchem wir Simmls mitbringen dürfen, bei ihnen im Dorf sobald wir unseren Ramadan beendet haben. Die drei packen ihre Utensilien, verabschieden sich und verschwinden im Dunkeln.  


Zwischen Touristenbooten und Hungergefühlen

Am Tag 5 unseres Fastenprojekts haben wir unser Boot aufgepumpt, und sind damit auf eine Euphrat-Tour. In Mitten der grossen Touristenbooten haben wir uns tapfer durch die Wellen gekämpft und dem Halligalli, dass auf den Booten stattfindet, zugesehen und vor allem zugehört. Es läuft sehr laute Musik und alle sind am Tanzen, fast ein wenig «Streetparade» Gefühl, dass da aufkommt. Im kleinen Hafen von Savasan Köyü machen wir einen kurzen Boxenstopp im Hafen und «geniessen» einen zu starken, bitteren Thymiantee. Egal wir geniessen gerade alles. Unser Ziel ist die versunkene Moschee mit ihrem Minarett (oder eher versenkte Moschee) und der kleinen Ruinenstadt. Ein Highlight für uns, eine Misere für die ehemaligen Bewohner. Die Ulu Cami (grosse Moschee) wurde im Jahre 1807 von armenischen Steinmeistern gebaut und ist auch ein Symbol für eine Zeit, als unterschiedliche Völker und Religionen friedlich miteinander lebten. Von der Moschee ist nur noch die Minarette über Wasser.  Nach dem Bau des Staudamms wurden etliche Dörfer am Ufer des Flusses geflutet und die Menschen in höhere Gebiete umgesiedelt. Ihnen wurden dort Reihenhäuschen gebaut die in der prallen Sonne stehen ohne jeglichen Schatten und viele Einwohner wollten lieber das Geld als eines der Häuser. Erst nach etlichen Jahren und harten rechtlichen Kämpfen wurden sie ausbezahlt.

 

Was von Halfeti übrig ist, ist sehr hübsch, gepflegt aber sehr touristisch und wir geniessen nochmals einen Tee und kaufen getrocknete Früchte und eingelegte Weinblätter um nach dem Fasten Dolma (gefüllte Weinblätter) zu machen. Der Besuch hat sich absolut gelohnt. Ich hänge schon recht in den Seilen, bin im Zeitlupentempo unterwegs und habe permanent Hunger. Man sagt, dass der Hunger nach spätestens drei Tagen aufhört. Noch zwei Tage, dann ist fertig mit Schnegge-lene. Zudem haben sich unsere Reisefreunde zu unserem Stellplatz gesellt. Das hilft zusätzlich unseren Hunger zu verdrängen. 

 

Der 7. Tag. Ich liege im Bett und denke seit ich wach bin nur noch ans Essen. Dani hat sogar vom Essen geträumt. Er betont immer wie gut es ihm gehe und wie locker er das Fasten macht, hmmm ahhh ja?


Fastenbrechen

Heute ist der Tag des Fastenbrechens und wir freuen uns auf Mehmets Familie und natürlich das Essen. Nadine und ich stehen schon bald in der Küche und sehen Fatouch beim Kochen zu und helfen wo wir können. Die Herren bereiten den Esstisch vor. Mittlerweile füllt sich die Wohnung von Mehmet. Onkel, Tante, deren Kinder und Cousins wollen die seltsamen Besucher aus Europa sehen. Der Tisch wird für fünf Personen gedeckt, für Mehmet und seine vier Gäste. Die restlichen «Gäste» setzen sich im Zimmer auf das Sofa oder auf den Boden und sehen uns beim Essen zu. Ich fühle mich beobachtet. Der Hunger ist zu gross, dass mich das stören könnte. (Fühlen sich Tiere im Zoo auch so?)

 

 

Nach so einer langen Fastenzeit schmeckt das Essen zusätzlich intensiv. Ich geniesse jeden Bissen und lasse meiner Zunge genügend Zeit um die Geschmäcker der unterschiedlichen Speisen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Ich esse wenig, da das Fastenbrechen wichtig ist. Die Grossfamilie ist versammelt und die Kinder hüpfen den ganzen Abend um uns rum. Da Kenan etwas Deutsch und Mehmet Französisch spricht, können wir uns gut mit den Anwesenden unterhalten.

 

 

Die Herzlichkeit dieser Menschen ist einfach herzergreifend und wunderschön. Erfüllt mit Liebe und Zufriedenheit im Herzen fallen wir KO ins Bett. Wir wären am kommenden Tag bei Kenans Schwester zum Essen eingeladen. Wir lehnen dankend ab und fahren nach dem Frühstück, bei Mehmet auf der Terrasse, weiter nach Gaziantep. 

 

 

Fastenfazit: Es war eine spannende Erfahrung, hat unserem Körper sicher gutgetan, muss aber nicht demnächst wieder sein. Das Positive ist, dass wir bewusster, langsamer und weniger Essen. Mal schauen wie lange das so bleibt. 


In der Stadt der Baklava

Gaziantep mit seinen 2.2 Millionen Einwohnern, ist bekannt für die berühmten Süssigkeit Baklava, welche wir zusammen mit den von hier stammen Pistazien gekauft haben.

 

 

Der Ursprung des traditionellen Gebäcks ist umstritten. Ähnliche Süssspeisen mit hauchdünnen Teigschichten, Nüssen, Mohn und Honig sind sowohl im alten Griechenland sowie in Zentral Asien entstanden. Wir haben hie und da Baklava in der Türkei gekauft. Diejenigen in Gaziantep sind von Qualität, Konsitenz und Geschmack unschlagbar. Einige Händler, und davon gibt es einige hier, versenden ihre Köstlichkeiten in die ganze Welt.

 

 

Wir schlendern durch den Flohmarkt und die Bazaare. Die Auslagen sind voll mit Gewürzen, scharfen Pasten, Nüssen und den klebrigen, feinen Süssigkeiten. Da es hier üblich ist, zuerst zu probieren bevor man kauft sind wir pappsatt nach dem Einkauf.  Wir haben so viel gekauft, dass wir mit dem Taxi zurückfahren müssen. Nachwehen vom Fasten?


Ein Tag mit einer türkischen Familie

Antakya in der Provinz Hatay ist unser nächstes Ziel. Die Stadt hält uns länger auf als gedacht. Vor allem die Altstadt zieht uns an. Ich möchte mir einen Hosenanzug (Overall) schneidern lassen. Der auserwählte Stoffhändler hat uns einen Schneider empfohlen. Die Tochter des Schneidermeisters holt uns ab und führt uns schnellen Schrittes durch die engen Gassen des Basaars. Werden wir den Weg jemals wiederfinden, fragen wir uns. Dani markiert die Stelle in Google Maps sicherheitshalber.

 

Am nächsten Tag können wir das fertige Stück abholen. Der Overall passt perfekt und ist qualitativ sehr gut verarbeitet. Wir begleichen die Rechnung von umgerechnet 25.- EUR. Ich habe meiner Freundin Gabriella am selben Tag von meinem Schnäppchen am Telefon erzählt. So sind wir am nächsten Tag erneut zu Schneiderei um je ein weiteres Stück für Sie und mich in einer anderen Farbe erstellen zu lassen. Seine Auftragsbücher sind sehr voll. Es braucht meine ganze Überredungskunst um die Kleidungsstücke innert 48 Stunden nähen zu lassen.

 

Die Tage haben wir mit einem Besuch im Museum und der Grotte St. Pierre ausgefüllt. Die Kirche besteht aus einem in der Kreuzritterzeit erbauten Portal, durch das man eine Grotte betritt, in der der Apostel Petrus der Legende nach wenige Jahre nach dem Tod von Jesus die erste Gemeinde, die sich Christen nannte, gegründet haben soll. Der Ort wurde vom Vatikan 1963 für heilig erklärt und gilt seitdem als Pilgerort. Jedes Jahr am 29. Juni, dem Todestag des heiligen Petrus, wird in der Grotte ein Festgottesdienst abgehalten. Am Ende der Grotte befindet sich ein Tunnel, der den ersten Christen angeblich als Fluchtweg gedient haben soll. Das Archäologische Museum Antakya beinhaltet neben archäologischen Funden aus der näheren Umgebung von Antakya, der türkischen Provinz Hatay und aus Tarsus eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen von römischen Mosaiken. Rumschlendern im grossen Bazaar und der wunderschönen Altstadt haben wir sehr genossen. Wir haben nicht gezählt wie oft wir zum Tee oder türkischem Kaffee eingeladen waren. Abends haben wir einmal mehr feinstes Essen genossen. Aus einer Auswahl von 24 Mezze haben wir 22 ausgewählt, wir konnten uns einfach nicht entscheiden. Zusammen mit Simmls haben wir alle die exquisiten und wunderschön dekorierten Mezzes locker weggeputzt. Auf dem Nachhauseweg entlang der vielen Bars und Musikern, welche live in den Bars spielen, haben wir die vollen Bäuche langsam heimgetragen. 

 


Ein Tag mit einer türkischen Familie

Semra und Memet und ihre 4-jährigen Tochter Su haben wir beim Schneider kennengelernt. Heute sind wir bei ihnen zuhause zum Brunch eingeladen. Wie immer hat sich der Tisch vor lauter Essen fast verbogen. Die Drei bewohnen eine sehr moderne und geräumige Eigentumswohnung etwas ausserhalb des Zentrums von Antakya. Ein Zimmer der Wohnung ist leer, noch leer, denn sie erwarten Nachwuchs. Nach dem Brunch wollten wir uns dankend verabschieden. Das «Programm « ist allerdings noch nicht zu Ende. Sie wollen ihre Heimat zeigen.

 

So fahren wir in das Dorf Hıdırbey. Im Dorf befindet sich der angeblich 3000 Jahre alte Moses Baum. Er hat einen Durchmesser von bis zu 7,5 Meter, einen Umfang von über 20 Meter und ist etwa 17 Meter hoch. Der Sage nach soll Moses bei seinem Treffen mit dem Propheten Hızır seinen Stock in die Erde hineingestochen haben, der danach sofort Triebe angesetzt habe. Den Hz Hizir Türbesi Komplex, welcher an der Mittelmeerküste in Samandag liegt, ist für gläubige Muslime ein wichtiger Ort. Hier haben sich Moses und der Prophet getroffen (so habe ich das verstanden). Man läuft 3x um den Komplex herum und geht aus Respekt retour aus dem Gebäude. Der grüne Stoff der aufliegt, wird von den Menschen in Streifen gerissen und mitgenommen. Grün ist die Farbe des Islams. Ich konnte keine deutschsprachigen Infos dazu finden und somit ist das Geschrieben vom Hören sagen.

 

Sightseeing macht hungrig. Bei uns ist es verpönt bzw. nicht erlaubt sein eigene Essen ins Restaurant mitzunehmen. In der Türkei ist das ein Geschäftszweig. Man bringt sein eigenes Essen und/oder Getränke mit. Dieses wird in der Küche aufbereitet, gegrillt und serviert. Man bezahlt lediglich «Tischgeld» und allfällige Getränke oder zusätzliche Spesen die man bestellt hat. Wir hätten den herrlichen Ort niemals gefunden. Einmal mehr geht ein unglaublicher Tag zu Enden umgeben von so lieben gastfreundlichen Menschen! Berücksichtigt man die aktuelle wirtschaftliche Lage der Türkei und die Auswirkungen auf die Menschen hier, ist diese Gastfreundschaft zusätzlich erstaunlich. In der Zeit von März bis Dezember hat die Währung an 50% Wert verloren. Für uns Touristen ein Paradies für die Bewohner eine Katastrophe.

 

Nach so viel Essen erinnern wir uns an die Fastentage und versuchen in den nächsten Tagen wieder etwas gemässigter zu sein. Während ich hier am Bloggen bin, ist gerade Dani der gegenübersitzt, verschwunden. Das neue Polster ist zum zweiten Mal gerissen und er rücklings in den Sand gefallen. Da er sich nicht weh gemacht hat, kann ich nur Lachen. Nun versucht Dani es mit Zahnseide zu Nähen und wir hoffen es hält. 


Auf dem Weg nach Antalya

 

Nach so viel Essen erinnern wir uns an die Fastentage und versuchen in den nächsten Tagen wieder etwas gemässigter zu sein. Während ich hier am Bloggen bin, ist gerade Dani der gegenübersitzt, verschwunden. Das neue Polster ist zum zweiten Mal gerissen und er rücklings in den Sand gefallen. Da er sich nicht weh gemacht hat, kann ich nur Lachen. Nun versucht Dani es mit Zahnseide zu Nähen und wir hoffen es hält. 

Es ist Anfang November. Die Temperaturen sind immer noch über 25 Grad und wir können die Tage ausnahmslos im Freien verbringen und wann immer wir die Lust verspüren, baden gehen. Herrlich diese Ruhe, die salzige Luft und das laue Windchen. Eigentlich könnten wir kiten aber wir sind von den letzten Tagen einfach nur Platt und machen nur Büro arbeiten. Ja doch, auch das muss sein. Dani notiert immer noch regelmässig unsere Ausgaben, sodass wir die Finanzen nicht aus den Augen verlieren. Auch sind wir so am Pläne schmieden, wo es nach dem Besuch in der Heimat hin gehen soll. Ich habe ganz klar zwei Präferenzen und bearbeite Dani mal in die Richtungen und nein, ich verrate noch nichts. Ist doch zu Corona Zeiten einfach nicht möglich. Uuuuu spannend….

 

Schön wieder am Meer zu sein und wir geniessen auch die Möglichkeit unsere Bikes zu aktivieren und fahren zum Vespasian-Titus-Tunnel. Dieser Tunnel wurde in 1. Jahrhundert n. Chr. wohl von Sklaven erstellt und ist eine Flussumleitung aus der römischen Kaiserzeit in der Südtürkei. Der Bau dauerte ca. 100 Jahre. Er ist seit dem 15. April 2014 in der Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingetragen.

 

Hier in der Region befindet sich einer der längsten durchgängigen Radwege der Welt und wir möchten diesen noch gerne befahren. Da ich lieber jogge renne ich 10km und Dani fährt die restlichen 16km der Strecke mit dem kleinen Falt Bike in einem Höllentempo. Unsere Reise nach Antalya, wo wir unsere Freundin Sam bald abholen, führt uns an lange einsame Strände und in wunderbare Nationalparks. Wir bekommen dort wieder Flamingos und Eisvögel zu Gesicht und sind begeistert von der herrlichen Einsamkeit in der Natur. Ich habe heute Geburtstag und darf diesen schon zum 2. Mal auf der Reise geniessen. Bei herrlichem Wetter am kilometerlangen einsamen Strand lässt es sich herrlich ruhig und gemütlich feiern. Da ich meine Brille verloren habe (ja, dämlich ärgerlich und doof) bin ich sehr happy über die VIU Gutscheine die ich in ein paar Wochen einlösen werde. Danke liebe Simmls….


Ein paar Tage mit Sam

Seit drei Tagen ist Sam nun mit uns an Board und wir haben einen Ausflug an die Cerali Beach unternommen, die Ausgrabung in Olympos bestaunt und abends den Chimaera-Berg bestiegen. Vor Einbruch der Dunkelheit haben wir die Wanderschuhe geschnürt und die Stirnlampe eingepackt. 

Zwanzig Minuten dauert der Aufstieg auf den 250 Meter hohen Yanar. Dann lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf ein Felsplateau, auf dem, so scheint es, sechs, acht, zehn kleine Lagerfeuer lodern, bis zu 30 Zentimeter hoch. Aber niemand hat hier Holz zu Haufen getürmt. Aus kleinen Felsspalten züngeln die Flammen, seit Ewigkeiten schon und ganz von allein. Es sei denn, jemand hält ein Feuerzeug über eine Erdspalte, dann entzündet sich schon mal eine neue, alte Flamme.

 

Doch wie entsteht das Feuer? Es sind Erdgase, die hier aus Rissen, Spalten und kleinen Löchern entweichen und sich entzünden. Das Gas fackelt sozusagen ab. Yanartas, brennender Stein, nennen die Türken diesen Ort. Oder auch: Chimaera, weil hier die sagenhafte Chimäre zu Hause war, jenes Feuer speiende Mischwesen mit dem Kopf eines Löwen, dem Körper einer Ziege und dem Schwanz einer Schlange, das von Bellerophon, Enkel des Sisyphos, mithilfe des geflügelten Pferdes Pegasus uns über getötet wurde.

 

Die Weiterfahrt führt uns nach Demre, wir möchten Myra wie die Stadt früher hiess, besichtigen. Die kleine antike Stadt im bergigen Lykien, ist nicht nur ein bekannter Wallfahrtsort, da sie als Geburtsstadt des Nikolaus von Myra gilt, sondern sie lockt viele Türkei Urlauber auch aufgrund der berühmten Felsengräber von Myra an. Antike Gräber gehen über in eine einzigartige Felsformation, eine atemberaubende bergige Landschaft umgibt dieses faszinierende Bauwerk. Jedes Jahr zwischen dem 4. und 6. Dezember erlebte die Bauerngemeinde Demre die wegen ihrer köstlichen roten Tomaten und saftigen Mandarinen berühmt ist, eine Invasion von Wissenschaftlern, Amateurhistorikern und Gläubigen. Sankt Nikolaus hat Namenstag, und dies wird gebührend gefeiert. Da Myra einen Hafen hatte, wurde der heilige Nikolaus erster Schutzpatron der Seefahrer. Die verlassene Nikolauskirche, in der er vermutlich predigte, ist ein Augenschmaus. Sie ist sowohl christliches als auch moslemisches Heiligtum - die Türken nennen ihn Noel Baba, Vater Weihnacht und wir kennen ihn als «Weihnachtsmann» oder «Samichlaus». 

 

Die Woche mit Sam ist wie im Fluge vorbei und sie sitzt schon wieder im Flugzeug in Richtung Zürich. Wir haben heute in Kumluca unsere Eingangstreppe final reparieren lassen und sind happy hat Orhan diese so toll hingekriegt. Nun heisst es Kilometer fressen, denn in 2 Tagen möchten wir das wunderbare Land verlassen. Der PCR Test für 15 Franken ist schnell gemacht und wie erwartet negativ. Den Grenzübertritt haben wir problemlos gemeistert und den erneuten Schnelltest auf der griechischen Seite mürrisch über uns ergehen lassen. Oh! Wie erstaunlich und gar so unerwartet, ist auch dieser negativ. Nun freuen wir uns auf einige Wochen in Griechenland, bevor wir die Heimreise in die Schweiz antreten. Die Fähre ist gebucht, und wir hoffen, Corona macht uns keinen Strich durch unsere Planung. 


Ergänzungen zu Sanliurfa

Legenden besagen, dass Abraham (İbrahim auf Türkisch), auch der grosse Feind des Königs Nimrod war, da er während seiner Zeit dem Götzendienst den Krieg erklärt hat. Aber wie jede andere Legende gewann auch Abraham das Herz der Tochter des Königs Nimrod, Zeliha. König Nimrod verurteilte Abraham sofort zum Tode, wie es jeder andere wütende König tun würde und befahl, einen riesigen Scheiterhaufen zu bauen, um ihn lebendig zu verbrennen. 

 

Wir alle wissen, dass Abraham eine wichtige Figur im Christentum und Judentum sowie im Islam ist. Aber warum ist er so wichtig? Mit seinen edlen persönlichen Attributen und seiner vollen Hingabe an Gott wird Abraham am häufigsten im heiligen Buch des Islam erwähnt. Er hatte alles, was er wollte, ausser einem Sohn. Also bat Gott ihn, sein Land zu verlassen und mit seiner Familie in ein Land zu reisen, das Gott ihm zeigen würde. Im Gegenzug versprach Gott ihm viele Nachkommen. Er vertraute Gott und seine Familie wurde bald mit einem Sohn, Isaak, gesegnet. Klingt nach einer netten Geschichte, oder? Aber warten Sie, es gibt noch mehr! Gott hatte später eine weitere Prüfung für ihn und er bat Abraham, seinen Sohn zu opfern. Abraham war sehr traurig, aber bereit zu gehorchen; kurz bevor er Isaak opferte, hielt Gott ihn auf, indem er ein Opfertier von oben schickte (mein atheistisches Selbst rollt die Augen so hart). Dieser Tag wird von den Muslimen immer noch als Fest gefeiert und ist als Eid al-Adha alias Opferfest bekannt.

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