Blog #15, Marlene:

Gamerjoba Georgien

Die letzten Kilometer vor der georgischen Grenze fuhren wir an Lastwagenkolonnen vorbei. Die ersten LKWs sichteten wir bereits 15km vor dem Grenzübergang! Die brauchen bestimmt mehrere Tage/Wochen bis sie endlich den Zoll nur mal sehen. Der Grenzübertritt von Sarp (TR) nach Sarpi (GE) ging fast reibungslos über die Bühne. Dani und der Unimog mussten alleine durchfahren denn ich wurde gebeten auszusteigen und zu Fuss das Prozedere zu durchlaufen. Beim türkischen Zoll fiel unbemerkt von Allen der PCR Test von Dani zu Boden. Bemerkt hat dies Dani natürlich erst bei der Einreise am georgischen Schalter. Also wenden und zurück in die Türkei wo sich das Problem rasch löste. Wieder zurück am georgischen Schalter gings flott und auch Dani hat alle administrativen Hürden überwunden.

 

Georgien hatten wir zu Beginn unserer Reise nicht auf dem Radar. Das Land wurde uns, insbesondere von den Ukrainern, sehr ans Herz gelegt. Da wir nichts über dieses Land wussten, haben wir euch und uns noch ein paar Fakten herausgesucht, denn wer kennt schon Georgien? Bereits vor 1,8 Millionen Jahren siedelten Menschen in Georgien an. Der Schädel eines Homo erectus, der 1999 in einem Kaukasustal gefunden wurde, zeigt: Die ursprünglich aus Afrika stammenden Menschen hatten ihren ersten europäischen Siedlungsplatz in Georgien. Bis heute gehören etwa 84 Prozent der Bevölkerung zur georgisch-orthodoxen Kirche. So sieht Dani hier auch wieder nackte Beine und wehende Röcke. Seit Februar 2021 ist Irakli Gharibaschwili Premierminister von Georgien. Georgien gilt als Wiege des Weins, denn das Land blickt auf eine 8000-jährige Tradition des Weinbaus und der Weinherstellung zurück.

Klein Las Vegas

Im Konvoi mit Pete, einem deutschen Overlander, Lisa und David gings nach Batumi um eine lokale SIM Karte zu kaufen, sodass wir schnellstmöglich wieder mit der Welt verbunden sind. Ohne Internet geht ja gar nichts. Durch die engen Gassen der Altstadt schlängeln wir uns langsam zu unserem Stellplatz am Schwarzen Meer. Es ist so eng, dass wir nur mit Rückspiegel einklappen und Hilfe von Davids Einweisungen ohne Kratzer durchkommen.

 

Die Stadt Batumi ist eine Hafenstadt am Schwarzen Meer und die Hauptstadt der georgischen Republik Adscharien im Südwesten des Landes. Der Batumi Boulevard umfasst eine Uferpromenade mit einem Park und einem Kiess Strand. Nachts leuchten und blinken hier die Lämpchen, überall Musik aus den riesigen Lautsprechen der Bars und Restaurants. Nach Ostanatolien ein riesiger Kulturschock für uns. Wir gewöhnen uns aber, wenig überraschend, schnell daran.

 

Abends begeben wir uns mit unseren Reisekumpels in einen Beachclub und schlürfen Cocktails, geniessen feinsten Junkfood begleitet von besten Housebeats. So konnten wir wieder mal tanzen und ein wenig westlichen Luxus geniessen. Damit noch nicht genug, gleich an der Promenade schwimmt eine grosse Delphineschule an uns vorbei. Das nenne ich Mal einen tollen Start in ein neues Land. Madloba Georgia!

 

Heute, am dritten Tag mussten wir nochmals zum Covidtest antraben.

Dies ist Pflicht in Georgien. Stellt sich aber als eine Alibiübung heraus, worüber wir sehr erfreut sind, denn die ewige Testerei ist mühsam und kann sehr schmerzhaft sein, wenn die Testerin den Stab fast bis ins Hirn hinaufführt. Ich glaube mein rechtes Nasenloch ist schon grösser als das Linke, ich schaue Mal beim nächsten Foto genau hin. Die georgischen Dame im Testcenter hingegen war mit Proben aus Mund und Nase zufrieden. Wir waren natürlich Covid-19 negativ.

 

 

Georgien ist für seine gute Küche und den exzellenten Wein bekannt. Wir können dies nur bestätigen. Die Badrischani, mit Walnusspaste gefüllte Auberginen gab es heute und die Gerichte waren sehr lecker aber auch sehr mastig. 


PARTY!

Mittlerweile sind wir auf dem Stellplatz 5 Camper aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die aus der Türkei angereist sind. Wir verlassen die Gruppe für einige Tage um die Gegend mit Burg und Botanischen Garten rund um Batumi zu besichtigen. David hat ein Haus mit Umschwung am Schwarzen Meer gemietet und einige Reisende eingeladen um Lisas Geburtstag zu feiern. Schön, sind wir auch dabei und Teil dieser Overlander Familie.

 

Es geht Schlag auf Schlag, denn heute 8.6. feiert Marc seinen Geburtstag. Wir fahren zu viert an einen herrlichen Stellplatz direkt an der Beach. Nadine und ich kochen ein köstliches Nachtessen und die Männer kümmern sich um das Lagerfeuer – traditionelle Rollentrennung. Der Sonnenuntergang und der anschliessende Tanz der unzähligen Glühwürmchen waren wie bestellt für Marcs Geburtstag. Die Glühwürmchen sind eigentlich gar keine Würmchen, sondern Käfer, auch Leuchtkäfer genannt, deren Männchen um zu Gunst der Weibchen um die Wette leuchten.


Ab in die Berge

So, genug gefeiert. Wir fahren in die Berge. Die erste Fahrt weg vom Zentrum, stellt sich als eine abwechslungsreiche aber anstrengende Tour heraus. Die Strassen sind in miserablem Zustand und wir holpern Stundenlang über nicht endend wollende löchrigen Wege. Dani liebt es so zu reisen und schwärmt von den engen Strassen, ich frage mich nur «welche Strassen?» Das sind eher Kuh Pfade. Aber da weiss ich noch nicht, was dann wirklich arge Strassen sind.

 

Georgien ist etwas grösser als die Schweiz und es leben nur rund 3.7 Millionen Menschen hier. Wenn wir aber weiterhin 5h benötigen für die rund 30km, bekommt dieses Land eine unglaubliche Dimension.

Heute holperten wir weiter und wurden unterwegs von einer Bauernfamilie zum Mittagessen eingeladen. Anstelle Cay gibt es hier dann gleich reichlich Bier aus einer übergrossen 2.5Liter Petflasche. Die Georgier machen bisher den Eindruck als spielen und trinken sie sehr gerne und dies oft und viel. Kaum wieder im Schritttempo unterwegs wurden wir wieder angehalten, diesmal von der Grenzpolizei. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die türkische Grenze nur 500m von uns entfernt ist. Die Grenzbeamten hatten vermutlich in dieser verlassenen Gegend noch keine Touristen gesehen und waren zu Beginn entsprechend verunsichert.

 

Unsere Pässe und das Fahrzeugschild wurden fotografiert. Von da an hiess es, ein freundliches Gesicht machen, warten und warten. Via Funk und Meldeläufer wurden unsere Koordinaten überprüft. Die Herren waren freundlich und haben sich in dieser Zeit unser Auto angesehen und davon überzeugen können, dass wir wirklich Touristen sind und keine fremde Macht, die ihren Posten übernehmen wollen. Ich bin mittlerweile die Ruhe in Person und mich können solche Situationen nicht mehr stressen, wir haben gelernt geduldig zu sein und man muss auch nicht immer alles nachvollziehen können. Die Leute machen nur ihren Job und diesen gut. Da stellt sich auch bei uns ein sicheres Gefühl ein. Nach 90 Minuten können wir weiterziehen.


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Wodka Frühstück und Sehenswürdigkeiten

Wir erreichen wieder zivilisiertes Gefilde und somit geteerte Strassen. Was wir gestern noch 130km in 5 Stunden geschafft hatten, waren es heute noch 30km. Wir passen jeweils unseren Reifendruck der Strassenverhältnisse an. Schotterstrassen befahren wir mit ca. 1.8-2 bar, geteerte hingegen mit 3.5-4 bar. Wenn sich die Strassenverhältnisse ändern, müssen wir kurz anhalten und unser Reifen-Befüllungssystem anschliessen. So auch hier, was Paulik spontan veranlasste uns zu einem Wodka-Frühstück in seiner Küche einzuladen.

 

Danach fuhr ich, da Dani nicht mehr in der Lage war, zur Rabati Burg die als Symbol der Toleranz gilt. Es sind hier eine Synagoge, eine Kirche, eine Moschee mit Minarett und der Jaqelebe Palast vereint. Die ganze Anlage ist frisch renoviert (fast etwas überrenoviert) und hat uns trotzdem gut sehr gefallen. Die Höhlenstadt Varzia, welche wir im Anschluss besucht haben, ist eine der wichtigsten und historisch wertvollsten Monumente in Georgien. Die Höhlen und die darin befindlichen Kirchen verteilen sich auf 13 Stockwerken und sind sehr imposant. 


Das Vals von Georgien

Das Nachtlager schlagen wir in der Stadt Borjomi auf, welche für seine Mineralquellen berühmt ist. Borjomi Mineralwasser gibt es im ganzen Land in jedem Laden und Restaurant zu kaufen. Das Mineralwasser soll gegen diverse Krankheiten helfen da es mit wichtigen micro-elementen angereichert ist, also nichts wie rein hüpfen. Das Wasser entspringt aus über 100 verschiedenen Quellen aus der Umgebung.

 

Die Welt ist ein Dorf! Das Mittagessen geniessen wir mit zwei französischen Camperfamilien die wir bereits in der Türkei getroffen hatten. Sie haben sich denselben Standplatz wie wir ausgesucht, denn so viele Möglichkeiten gab es nicht. Die Chinkali (gefüllte Teigtaschen) sowie die gefüllten Pilze mit Ketsi (Käse) schmecken vorzüglich.


Dunkle Geschichte

Die Stadt Gori, unser nächster Halt, ist der Geburtsort von Josef Wissarionowitsch Stalin. Wir haben das Museum besucht und vieles über ihn gegoogelt: Link. Die Burg von Gori hätten wir uns sparen können, da haben wir schon viel spektakulärere Bauten gesehen. Wir bemerken, dass wir anspruchsvoller geworden sind.

 

 

Uplistsikhe (wörtlich: Festung des Herrn) liegt wenige Kilometer östlich von Gori. Wir besteigen die auf einem hohen Felsen erbaute Festung und Höhlenstadt. Uplistsikhe ist eine der ältesten Siedlungen Georgiens. Erstaunlicherweise verspüren wir noch keine Sättigung und wir schauen solche Sehenswürdigkeiten immer noch gerne an.


Auslandschweizer in Georgien

Die nächsten 2 Tage verbringen wir bei Barbara und Lukas in Ujarma. Lukas hatte in Georgien als Botschafter gearbeitet. Nach seiner Amtszeit haben sich die Beiden entschlossen in Georgien zu bleiben. Sie betreiben einen Weinhandel mit regionalen Bioweinen von Weinbauern aus der Nähe. Den Kontakt hatten wir von einem Freund von Dani erhalten. Vielen Dank dafür, Martin.

 

Wir haben die Tage sehr genossen und wurden verwöhnt. So kamen wir in den Genuss eines Raclette mit wunderbarem georgischen Amberweins. Amberwein vergärt 6 Monate im Qvevri (Tongefäss). Die geernteten Trauben werden mit der Haut, den Kernen und verholzen Ästchen ins Qvevri gefüllt. Das Gefäss bleibt 2 Wochen offen damit der Saft die Hefe aus der Luft aufnehmen kann und eine spontane Gärung stattfinden kann. Danach werden die Qvevri, welche im Boden gelagert werden und ideal 1,5 Tonnen fassen, verschlossen. Der Wein bleibt ab jetzt für ca. 6 Monate im Gefäss. Wer noch mehr darüber lesen möchte: Link

 

Barbara hat mir auch erzählt, dass es in Georgien nebst Schwarzem, Grünen und Weissen auch Rot und Gelben Tee gibt. Auch diese Infos befinden sich auf ihrer Homepage. Der Frauenausflug in die Hauptstadt war für mich ein Highlight. Wir waren auf einem traditionellen Markt und ich konnte mir swanetisches Gewürzsalz kaufen. Das Salz ist eine Kräutersalzmischung aus der georgischen Region Swanetien. Es enthält neben Salz mindestens die Gewürze Bockshornklee, Dill, Knoblauch, Koriander, Kümmel, gemahlene Paprika und Tagetes. Tagetes, die orange Blume wird auch Safran von Georgen genannt. Ziegerklee gehört nun auch zu meiner Gewürzsammlung (eignet sich unteranderem zum Fleisch marineren - ich esse ja so extrem viel Fleisch)

 

Die gemeinsame Wanderung die wir zum Geburtstag von Lukas unternommen hatten, führte uns durch dichten Wald und halbwegs erkennbare Wege hoch bis zur Baumgrenze. Danach liefen wir über nicht enden wollenden grünen Matten bewachsen mit bunten Blumen. Mitten durch Kuhherden und gottseidank nur freundlichen Schäferhunden. Das Panorama auf dem Gipfel war grossartig und wir konnten den dritthöchsten Berg Georgiens, den Kasbek (5054 m), bewundern. Ob wir den auch noch erklimmen werden?


Ein paar Tage am See

Wir verabschieden uns von Barbara und Lukas und fahren weiter zum Sionisee, dort sind wir mit Nadine und Marc verabredet. Die Beiden haben einmal mehr 4 Hunde aufgelesen und nach Tiflis in einen Shelter gebracht. Sie haben mit ihrem grossen Herzen 400km Weg auf sich genommen um die Hunde nach Tiflis zu fahren. Wir verbringen die Tage mit SUPlen, Kiten, Wakeborden und Fussballs EM schauen - Passt denn Deutschland spielte gegen Portugal und die Schweiz tritt gegen die Türken an. Die Tage gingen schnell vorbei. Wir haben intensive Gespräche geführt, viel gelacht und abends gemütlich ums Lagerfeuer gesessen.


Die Hauptstadt

In Tbilissi (Tiflis) erledigen wir diverse Pendenzen wie neue Joggingschuhe kaufen oder beim Franzosen Käse kaufen – nach so vielen Monaten ein Traum. Dunkles Brot besorgen, anfallende Arztbesuche erledigen und Zigarren Nachschub besorgen. Die Stadt besichtigen wir zu Fuss, per Uber (heisst hier Bolt) oder mit dem Touristenbus. Es ist zu heiss um stundenlang zu flanieren. So verbringen wir auch immer wieder Zeit in hübschen Bars/Kaffes in den schmucken Gassen der Altstadt, denn die Temperaturen sind sehr schweisstreibend, da ist genügend Flüssigkeit von grösster Wichtigkeit, hat meine Mami schon gesagt.

 

 

Barbara und Lukas haben uns noch einen Restaurant-Tipp gegeben. Das Essen im Barbarestan war erste Klasse und wir haben den Abend mit Simmls genossen – einmal mehr! Damit konnten sie ihre Geburtstagsgeschenke einlösen. Solltet ihr je nach Tiflis reisen, so geniesst das Essen und die Weine in einem der vielen unglaublich geschmackvollen Restaurants.

 

 

Trotz den sehr hohen Temperaturen haben wir es uns nicht nehmen lassen einen Halt im Royal Bath einzufügen. Der Name Tbilissi bedeutet warme Quellen und wir haben den Aufenthalt in den nicht warmen, sondern heissen Schwefelbädern genossen. Das Peeling und einschäumen (wie im Hamam) hat uns Porentief gereinigt was sicher nötig war. Die Überlieferung berichtet, dass der georgische König Wachtang I. Gorgassali auf der Jagd in einem bewaldeten Tal einen Fasan erlegte. Das Tier fiel in eine heisse Quelle und wurde vom sprudelnden Wasser sofort gargekocht. Der König liess die Umgebung genau erforschen. Als er erfuhr, dass es dort viele heisse Quellen gab, gründete er in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts an diesem Ort die Stadt Tiflis. (Ob er den Fasen gegessen hat konnte ich nicht recherchieren)


Altes Kloster

Unsere Reise führt weiter in den Osten in die Region Kachetien. Dies ist die Region in der unteranderem Reben angebaut werden. Nach beschwerlicher Fahrt durch eine weitgehend verlassene Landschaft, wir haben bewusst die grösseren Strassen umfahren, sehen wir in der Ferne das Natlismtswmeli Kloster welche in der unberührten, einsamen Natur liegt. Hier werden die 5 Mönche durch Nichts vom Beten abgehalten. Es gibt wirklich einfach Nichts auch kein Internet. Wir durften die Kirche begleitet mit einem Mönch betreten und bestaunen.

 

 

 

 

Die David Gareja Kirche die wir danach aufsuchten, liegt am Berg Udabno unmittelbar an der Grenze zu Aserbaidschan. Es ist das älteste Kloster Georgiens und steht auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die bewaffnete Grenzpolizei am Fusse des Berges kontrolliert, dass keine Touristen ausversehen die grüne Grenze überqueren. (Das machen wir dann erst, wenn wir Georgien gesehen haben)….


Der Grossgrundbesitzer

Weiter geht’s über unbefestigte Strassen bis zu einem Hindernis mit welchem wir nicht gerechnet haben. Es gibt eine Eisenbahnunterführung die sich für uns als unpassierbar herausstellt, da diese für unser Fahrzeug zu niedrig ist. Umdrehen stinkt uns gewaltig und wir suchen nach einer anderen Möglichkeit das Bahngeleise zu überqueren. Ihr ahnt es, wir fanden einen Weg direkt über die Schienen und konnten unseren Weg fortsetzen.

 

Einen Stellplatz haben wir schnell gefunden wir sind ja eh weit und breit die einzigen Menschen. Doch weit gefehlt, es kommt wie so oft, anders als man denkt. Wir kriegen Besuch vom Besitzer des Landes. Es stellt sich heraus, dass Afzal Ravari gut Deutsch spricht da er in Deutschland studiert hat. Er besitzt ein riesiges Grundstück (ca. 2’200ha) und bewirtschaftet dieses mit 400 Arbeitern. Es stehen unter anderem rund 1.2 Millionen Pistazien und Walnussbäume in Reih und Glied. Die Reben dürfen auch nicht fehlen. Auch er produziert den Wein in Tonschalen nach uralter Herstelltechnik. Sonnenblumen und Weizenfelder runden das Bild ab.

 

Er lädt uns herzlich ein, ihm zu folgen und bittet uns bei ihm im Huas zu übernachten. Wie immer sind wir dankbar, wenn wir Duschen und Waschen können (es ist ultraheiss hier). Am nächsten Tag werden wir noch mit Wein eingedeckt und tauschen die Nummern aus. Er lässt uns wissen, dass wir ihn jederzeit anrufen dürfen. Er verabschiedet sich mit einer Bitte an uns. Wir sollen ihn doch kontaktieren, wenn wir den Unimog verkaufen möchten. Er beabsichtigt in einigen Jahren ebenfalls eine Weltreise zu unternehmen.


Zum Iori Stausee

Unser nächstes Ziel ist der Iori-Stausee im Südosten des Landes, Nahe zur aserbeidschanischen Grenze. Die Fahrt fordert alles von uns und unserem treuen Fahrzeug. Die Wege enden immer wieder im nichts oder sie sind gar nicht befahrbar, weil alles zu eng.

 

Hartnäckig wie wir sind, finden wir am Ende einen Weg und einen superidyllischen, ruhigen Stellplatz, denken wir. Im Laufe des Abends gesellen sich noch weitere Menschen zu uns und wir werden zu einer Supra (Festmahl) eingeladen. Die georgische Tischkultur basiert auf einem Ritual, dass es einen Tamada (meist der Gastgeber) gibt, welcher den ersten Trinkspruch auf das Mutterland Georgien hält (Gaumardschoss / Prost).

 

Wir beginnen die Supra mit Wein und später wird Tschatscha (ist ein traditioneller Tresterbrand und ein Nebenprodukt der Weinherstellung für den Privatgebrauch) eingeschenkt. Es folgen an einem Abend etliche Trinksprüche auf die Familie, die Gäste, die anwesenden Menschen auf den Weltfrieden usw. Ich klinke mich relativ schnell aus da ich keinen Alkohol trinke und ich auch die einzige Frau bin. Dani bleibt sitzen und schwankt später zurück. Die Zunge schlägt ein wenig an, aber egal, Hauptsache er hatte einen guten Abend. Wir schlafen begleitet durch Froschquaken und Grillengezirpe ein.


Im Winnetouland

Unser Ziel war es den Nationalpark Vashlowani nur auf verlassenen Pfaden zu erreichen. Was uns definitiv gelungen ist. Wir waren «hardcore» unterwegs haben unsern Unimog auf die Probe gestellt und uns auch. Die Stimmung war hie und da etwas angespannt in der Führerkabine, denn wir hatten extreme Situationen wo ich dachte, das Auto kippt oder es ging so steil runter resp. hoch, dass ich ins Staunen kam was unser Auto alles kann und aushält.

 

 

Der Park zeichnet sich durch sein trockenes Klima und steppenartige Vegetation, bizarre Fels und Hügelformationen aus, welche wir am Tag darauf morgens um 6 Uhr erklommen hatten. Wir haben sehr gehofft, dass hinter einem der Hügel Winnetou oder Old Shatterhand hervorkommt. Keiner der beiden hatte sich gezeigt, dafür haben wir wilde Gazellen, mit horrendem Tempo über die Steppe flüchtend, erblickt. Die Tiere wurden vor Jahren in Zusammenarbeit mit dem WWF und der finanziellen Hilfe von Deutschland hier angesiedelt. Die Hitze war exorbitant hoch und wir haben den Park nach 2 Tagen wieder verlassen.


Der heilige Nino

Wir sehnen uns nach etwas Zivilisation und Internet. Kaum das Handy eingeschaltet lesen wir, dass die Nati gegen Frankreich gewonnen hat und wir das Spiel im Nachhinein noch sehen sollten. Das touristische Dörfchen Signagi ist schnell besichtigt und der Hunger ist grösser als die Lust auf Besichtigung.

Ein Restaurant ist schnell gefunden und stellte sich als super Wahl heraus. Dani hat diesbezüglich ein gutes Auge. Auf dem Retourweg besichtigen wir das Frauenkloster Bodbe und beschliessen gleich hier zu Nächtigen und einfach nur zu Sein. Die letzten Tage waren anstrengend, wir brauchen einen Moment der Ruhe und Besinnung. Das Kloster wurde der Legende nach auf dem Grabmal des Heiligen Nino errichtet und gilt als wichtiger Wallfahrtsort. 


356 Tage, 9 Länder, 21'385km

Wir sind heute (30.06.2021) seit exakt 365 Tage auf Achse. Keinen, wirklich keinen einzigen Tag haben wir unsere Entscheidung bereut und sind dankbar für das Privileg das wir haben. Viele Hochs aber auch einige Tiefs und emotionale Momente haben wir durchlebt. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt und sogar neue Freundschaften sind dadurch entstanden. Wir sind in verschiedene Kulturen eingetaucht und unterschiedliche Verhaltensweisen erlebt, verstehen und akzeptieren gelernt. Wir haben selbstlose Herzlichkeit erlebt und uns auf etliche Abenteuer eingelassen.

Haben wir Zwei uns verändert? Ja teilweise, bestimmt sind wir an den Herausforderungen die das Reisen und das 7/24 Zusammensein mit sich bringt, gewachsen. Wir sind einerseits mutiger geworden und gehen andererseits vermehrt auf andere Leute zu und ein.

Wir waren schon immer ein gutes Team nun sind wir ein perfektes Team, beste Freunde, Liebende und in heiklen Momenten Leidensgenossen. Wir «ticken» komplett anders, ergänzen uns aber perfekt. Nein, wir leben nicht nur Harmonie zusammen, es kann vor allem vorne in der Fahrerkabine schon mal dicke Luft herrschen. Wir haben aber gelernt unsere Wünsche, Vorstellungen und Unstimmigkeiten auszusprechen und zu klären. Wir sind glücklich, zufrieden und geniessen die Freiheit und die Weite die uns das Reisen gibt. Es gibt nirgends so viele Einschränkungen, Engstirnigkeit, Regeln und «möchte gerne Polizisten» wie in der Schweiz. Versteht uns nicht falsch, wir lieben unsere Heimat, aber es wird uns sicher schwerfallen uns all diesen Regeln und Verbote wieder zu unterwerfen.

Was wir Beide vermissen sind unsere Familien und die Freunde, mit ihnen würden wir so gerne die wahnsinnigen Erlebnisse teilen. 

«Wer die Gegenwart geniesst, hat in Zukunft eine wundervolle Vergangenheit»

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